Wem gehört Anthropic
Anthropic gehört seinen Gründern und Mitarbeitern, den Cloud- und Chipkonzernen, von denen es abhängt, und einer langen Reihe von Investmentfonds, die in den späteren Runden eingestiegen sind. Keiner von ihnen kontrolliert das Unternehmen allein. Diese Mischung erklärt viel darüber, wie sich das Unternehmen verhält, und darüber, wie Anleger schon vor dem Börsengang indirekt investieren können.
Drei Gruppen von Eigentümern
Die am 26. Oktober 2026 eingereichte S-1 ist die erste offizielle Darstellung, wem Anthropic gehört, auch wenn die meisten Aktienzahlen und Prozentangaben leer bleiben, bis eine geänderte Fassung den Ausgabepreis festlegt. Der Rest stammt aus Mitteilungen von Anthropic, Unterlagen seiner Investoren und Gerichtsakten.
Gründer und Mitarbeiter. Die sieben Mitgründer halten etwa gleich große Anteile: laut S-1 jeweils zwischen rund 232 Millionen und 245 Millionen Class-A-Aktien nach einem Aktiensplit im Verhältnis 10:1 im September 2026, und alle sieben sind als verkaufende Aktionäre im Angebot aufgeführt. Jeder von ihnen hat zugesagt, 80 % seiner Anthropic-Beteiligung für wohltätige Zwecke zu spenden. Anthropic hat einen Großteil seiner Belegschaft in Aktien bezahlt, daher halten Insider vermutlich das größte einzelne Aktienpaket. Das Unternehmen hat Tender Offers durchgeführt, über die Mitarbeiter vor dem Börsengang einen Teil ihrer Anteile an Investoren verkaufen konnten, und plant Berichten zufolge vorab festgelegte Verkaufspläne für Mitarbeiter, sobald es an der Börse notiert ist.
Strategische Geldgeber. Amazon und Alphabet sind die größten externen Anteilseigner, gefolgt von späteren strategischen Investoren wie Microsoft, Nvidia und AMD. Jeder von ihnen verkauft Anthropic auch etwas (Chips, Cloud-Kapazität) oder kauft bei Anthropic ein, weshalb diese Beteiligungen ebenso sehr kommerzielle Vereinbarungen wie finanzielle Wetten sind. Gerichtsdokumente bezifferten Googles Anteil 2025 auf etwa 14 %. Die S-1 nennt zusätzlich die Obergrenzen: Aktien, die Google aus seiner Vereinbarung von 2026 erhält, sind auf 14,99 % des Kapitals von Anthropic begrenzt, und Amazons Wandelanleihen werden ab 12 % des voll verwässerten Kapitals nicht weiter umgewandelt, sofern das jeweilige Unternehmen nicht auf seine Obergrenze verzichtet. Beide halten überwiegend stimmrechtslose Class-N-Aktien.
Finanzinvestoren. Ab 2025 wurden die Runden zu groß für Risikokapitalgeber allein. Staatsfonds wie GIC, Temasek, QIA und MGX, Crossover-Fonds wie Fidelity, T. Rowe Price, Coatue und D1 sowie Private-Markets-Häuser wie Blackstone und Brookfield halten inzwischen beträchtliche Positionen, neben den frühen Venture-Geldgebern.
Die börsennotierten Unternehmen mit Beteiligung
Das sind die Geldgeber, deren eigene Aktien an einer Börse gehandelt werden. Amazon und Alphabet haben die größten Beteiligungen und die engsten Verbindungen, damit sind sie die börsennotierten Werte mit der engsten Verbindung zu Anthropic.
| Unternehmen | Investiert | Beziehung | Anteil |
|---|---|---|---|
| Amazon AMZN | 8 Mrd. $ bis 2024; weitere 5 Mrd. $ im April 2026, dazu bis zu 20 Mrd. $ an Meilensteine geknüpft | Wichtigster Cloud- und Trainingspartner (AWS, Trainium); vertreibt Claude über Bedrock | Noch nicht offengelegt; die Wandelanleihen werden nur bis zu 12 % des voll verwässerten Kapitals von Anthropic gewandelt, sofern Amazon nicht auf die Obergrenze verzichtet; kein Board-Sitz |
| Alphabet (Google) GOOGL | Rund 3 Mrd. $ bis 2025; bis zu 40 Mrd. $ im April 2026 zugesagt (10 Mrd. $ sofort) | TPU- und Google-Cloud-Partner; vertreibt Claude über Vertex AI | 2025 laut Berichten rund 14 %; im Rahmen des Deals von 2026 ausgegebene Aktien sind bei 14,99 % gedeckelt, sofern Google nicht auf die Obergrenze verzichtet (der Rest wird zu Schuldverschreibungen), mit stimmrechtslosen Aktien und ohne Board-Sitz; darf zum Ausgabepreis bis zu 10 Mrd. $ zusätzlich kaufen |
| Microsoft MSFT | Bis zu 5 Mrd. $ (November 2025) | Azure-Compute-Lieferant; Claude in Foundry und den Copilot-Produkten | Nicht offengelegt |
| Nvidia NVDA | Bis zu 10 Mrd. $ (November 2025) | GPU-Lieferant und technischer Partner | Nicht offengelegt |
| AMD AMD | Bis zu 5 Mrd. $, schrittweise eingezahlt, sobald MI450-Kapazität in Betrieb geht (Juli 2026) | Chiplieferant ab 2027 | Nicht offengelegt |
| Salesforce CRM | Früher Investor über Salesforce Ventures (seit 2023) | Kunde und Partner; Claude in den eigenen KI-Produkten von Salesforce | Nicht offengelegt |
| Zoom ZM | Früher Investor über Zoom Ventures (2023) | Kunde; Claude im AI Companion von Zoom | Im August 2026 mit 3,13 Mrd. $ in Zooms Bilanz bewertet |
Amazon und Google: Geldgeber, Lieferanten und Rivalen
Amazon war vor 2026 gemessen am investierten Geld der größte externe Investor von Anthropic. In den Jahren 2023 und Anfang 2024 steckte Amazon 4 Milliarden US-Dollar in das Unternehmen, im November 2024 weitere 4 Milliarden US-Dollar, und im April 2026 sagte es weitere 5 Milliarden US-Dollar zu, dazu bis zu 20 Milliarden US-Dollar, die an kommerzielle Meilensteine geknüpft sind. Im Gegenzug sagte Anthropic AWS bis April 2036 mindestens 110 Milliarden US-Dollar zu und trainiert seine Modelle auf Amazons Trainium-Chips. Ein Teil von Amazons Geld kam als Wandelanleihen, von denen am 30. Juni 2026 noch 6,2 Milliarden US-Dollar ausstanden; sie werden beim Börsengang bis zur Obergrenze von 12 % in Aktien umgewandelt. Amazon hat keinen Sitz im Board.
Google stieg Anfang 2023 ein, sagte im Oktober 2023 einen Betrag von 2 Milliarden US-Dollar zu und legte 2025 noch 1 Milliarde US-Dollar nach. Im April 2026 sagte Google bis zu 40 Milliarden US-Dollar zusätzlich zu: 10 Milliarden US-Dollar sofort bei einer Bewertung von 350 Milliarden US-Dollar und 30 Milliarden US-Dollar abhängig von Leistungszielen. Die S-1 räumt Google außerdem die Option ein, parallel zum Angebot Aktien im Wert von bis zu 10 Milliarden US-Dollar zum Ausgabepreis zu kaufen. Google liefert TPUs und vertreibt Claude über Vertex AI, während seine eigenen Gemini-Modelle direkt mit Claude konkurrieren.
Für Anleger hat das zwei Seiten. Beide Unternehmen verbuchen Gewinne, wenn die Bewertung von Anthropic steigt, und Analysten haben gewarnt, dass diese Bilanzierung ihre ausgewiesenen Gewinne besser aussehen lassen kann als das zugrunde liegende Geschäft. Doch bei Konzernen von der Größe von Amazon und Alphabet ist Anthropic nur ein kleiner Teil, daher ist der Kauf ihrer Aktien eine verwässerte Wette auf Anthropic und kein Ersatz dafür.
Wie die Cap Table entstand
Anthropic hat seit 2021 in mehr als einem Dutzend Runden und strategischen Deals Kapital aufgenommen. Die Summen wuchsen in fünf Jahren von Millionen- auf zweistellige Milliardenbeträge.
Das erste Geld kam von Privatpersonen, die sich um die Risiken von KI sorgten. Skype-Mitgründer Jaan Tallinn und Facebook-Mitgründer Dustin Moskovitz führten 2021 die Series A über 124 Millionen US-Dollar an. Die Series B über 580 Millionen US-Dollar im Jahr 2022 wurde von FTX dominiert, der Kryptobörse von Sam Bankman-Fried; nach dem Zusammenbruch von FTX verkaufte die Insolvenzmasse die Beteiligung 2024, überwiegend an Investoren aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Ab 2023 kamen die Cloud-Konzerne hinzu, zuerst Google, dann Amazon, die jeweils eine Beteiligung mit einem Compute-Vertrag verbanden. Ab 2025 gehörten die Runden zu den größten privaten Finanzierungen überhaupt: 13 Milliarden US-Dollar in der Series F im September 2025, 30 Milliarden US-Dollar in der Series G im Februar 2026, angeführt von GIC und Coatue, und 65 Milliarden US-Dollar in der Series H im Mai 2026, angeführt von Altimeter, Dragoneer, Greenoaks und Sequoia.
Die vollständige Historie Runde für Runde, mit Beträgen und Bewertungen, findest du auf der Bewertungsseite.
Fonds in den jüngsten Runden
Eine Auswahl der Finanzinvestoren in den Runden von 2026. Allein die Series G nannte mehr als 40.
- Altimeter Capital
- Dragoneer
- Greenoaks
- Sequoia Capital
- Capital Group
- Coatue
- D1 Capital Partners
- GIC
- ICONIQ
- XN
- Baillie Gifford
- Blackstone
- Brookfield
- Fidelity
- Lightspeed Venture Partners
- T. Rowe Price
- Temasek
- Jane Street
- D. E. Shaw Ventures
- Founders Fund
- MGX
- Qatar Investment Authority
- General Catalyst
- Menlo Ventures
Wer Anthropic kontrolliert
Anteile an Anthropic zu besitzen heißt nicht, das Unternehmen zu kontrollieren, und das ist so gewollt.
Der Long-Term Benefit Trust, ein unabhängiges Gremium, dessen Treuhänder keine finanzielle Beteiligung haben, hält eine besondere Aktiengattung, mit der er Mitglieder des Boards wählen kann. Seit April 2026 stellen die von ihm Ernannten die Mehrheit im Board. Weder Amazon noch Google hat einen Sitz im Board, und Googles Aktien sind stimmrechtslos.
Laut The Information (September 2026) hat Anthropic vor dem Börsengang eine Aktiengattung vorgeschlagen, die den sieben Mitgründern zusammen 50,1 % der Stimmrechte geben würde, unabhängig davon, wie viel des Unternehmens sie besitzen. Zusammen mit dem Trust würde das externen Aktionären, auch allen, die beim Börsengang kaufen, zwar eine wirtschaftliche Beteiligung, aber nur begrenzte Mitsprache lassen.
Mehr zur Struktur erfährst du unter wie Anthropic geführt wird.